Übergewicht verschlechtert die Prognose von Brustkrebs

Dezember 12, 2011

Adipositas beeinflusst die Entstehung und den Progress von Brustkrebs über verschiedene Signalkaskaden. Unter Anderem kommt es bei übergewichtigen Frauen auch zur vermehrten ektopen Östrogenproduktion, was vermuten lässt, dass der BMI auch Einfluss auf die Wirksamkeit der endokrinen Therapie nehmen könnte. 

Bei postmenopausalen Frauen ist das Fettgewebe Hauptproduktionsort von Östrogenen. Es ist seit langem bekannt, dass mit zunehmendem BMI und damit zunehmender Fettmasse und Aromataseaktivität auch der Östrogenspiegel postmenopausaler Frauen steigt. Um die ‚Gesamtkörper-Aromataseaktivität’ abzuschätzen könnte man folglich den BMI als Surrogatparamter heranziehen.

Basierend auf diesen  Überlegungen wurde die Re-Analyse der ABCSG-12  (Austrian Breast and Colorectal cancer Study Group), welche am ASCO 2010 vorgestellt und nun im JCO publiziert wurde bzw. für die Re-Analysen der ABCSG 6 und 6a, welche beim SABCS Meeting 2010 präsentiert wurden, durchgeführt.

Tatsächlich konnte in der Re-Analyse der ABCSG-12 bei prämenopausalen Patientinnen mit ovarieller Suppression gezeigt werden, dass übergewichtige Frauen unter Aromatasehemmer Therapie ein signifikant schlechteres krankheitsfreies und Gesamtüberleben aufwiesen als normalgewichtige Frauen unter Aromtasehemmer. Zudem ergab die Analyse, dass übergewichtige Frauen unter Aromatasehemmer verglichen mit übergewichtigen Frauen unter Tamoxifen ein signifikant schlechteres krankheitsfreies und Gesamtüberleben aufweisen.  Man könnte also vermuten, dass übergewichtige, prämenopausale Brustkrebspatientinnen stärker Tamoxifen als von einem Aromatasehemmer profitieren.

Beim SABCS 2010 konnten wir die Analysen der ABCSG 6 und 6a Studien vorstellen. In der ABCSG 6 wurden knapp über 2000 postmenopausale Mammakarzinom Patientinnen randomisiert zu Tamoxifen versus Tamoxifen + Aminoglutethimide (first generation AI). In der Originalpublikation konnte kein Unterschied zwischen beiden Armen festgestellt werden. In unserer Re-Analyse untersuchten wir ob der BMI Einfluss auf die Effektivität dieser Therapien nimmt. Zwei Drittel aller postmenopausalen Mammakarzinompatientinnen waren übergewichtig, nur ein Drittel war normalgewichtig. Unsere Analyse der ABCSG 6 Studie zeigte, dass der BMI keinen Einfluss auf die Effektivität von Tamoxifen oder Tamoxifen + Aminoglutethimide nimmt. Ähnlich wie bei der Re-Analyse der ABCSG-12 konnten wir folglich zeigen, dass normalgewichtige und übergewichtige Brustkrebspatientinnen von Tamoxifen in gleichem Maße profitieren.

In der ABCSG 6a Studie wurden rezidivfreie Patientinnen nach abgeschlossener endokriner Therapie für 5 Jahre randomisiert zu weiteren 3 Jahren Aromatasehemmer (Anastrozol) versus nihil. In der Originalpublikation konnte gezeigt werden, dass Frauen mit zusätzlicher drei jähriger Therapie mit Aromatasehemmer ein signifikant besseres krankheitsfreies Überleben aufwiesen. In unserer Re-Analyse untersuchten wir ob der BMI Einfluss auf dieses Ergebnis nimmt. Zwei Drittel aller Patientinnen waren übergewichtig. In der Gruppe der Normalgewichtigen konnten wir zeigen, dass Patientinnen die zusätzlich 3 Jahre  endokrine Therapie mit Aromatasehemmer erhielten ihr Risiko ein Rezidiv zu erleiden oder an der Krankheit zu versterben halbierten. Ganz im Gegenteil profitierten übergewichtige Frauen nicht von zusätzlichen 3 Jahren Aromatasehemmer nach 5 Jahren endokriner Therapie. In der Gruppe der übergewichtigen Frauen traten trotz zusätzlichen 3 Jahren endokriner Therapie mit Aromatasehemmer genauso viel Rezidive und Todesfälle auf wie ohne weitere Therapie.

Zusammenfassung:

Gemäß unserer Daten – der Re-Analysen der ABCSG-12, ABCSG 6 und 6a Studie – können wir davon ausgehen, dass der BMI die Effektivität von Aromatasehemmern nicht aber Tamoxifen beeinflusst. Frauen die übergewichtig sind, haben deutlich weniger Benefit von der Therapie mit einem Aromatasehemmer als Frauen, die normalgewichtig sind. Aufgrund dieser retrospektiven Daten lässt sich allerdings noch keine Änderung des Vorgehens im klinischen Alltag ableiten. Allerdings könnte man sich überlegen, ob man bei Übergewichtigen, bei denen der Aromatasehemmer scheinbar nicht so gut wirkt, lieber die Switch Therapie (Tam gefolgt von AI) einsetzt während man bei Normalgewichtigen mit gutem Gewissen Upfront die Aromatasehemmer verwendet. Dieses Vorgehen wäre konform mit den ASCO Guidelines (2010).

 

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