Behandlung vaginaler Beschwerden mit Estriol

Januar 3, 2011

In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass  Aromatasehemmer die effektivere Therapie des Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs darstellen, sodass nun jede postmenopausale Frau entweder direkt nach der Operation für 5 Jahre oder nach 2-3 Jahren Tamoxifentherapie einen Aromatasehemmer erhält. 

In der ATAC Studie (Arimidex, Tamoxifen, Alone or in Combination) in der der Aromatasehemmer mit dem Tamoxifen verglichen wurde, konnte Scheidentrockenheit als unerwünschte Wirkung der Therapie mit Arimidex (einem Aromatasehemmer) in 16,3% und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) in 17,8% der Patientinnen festgestellt werden. Im Vergleich dazu waren diese Symptome bei Patientinnen unter Tamoxifen signifikant seltener (8,4% bzw. 7,5%).

Diesen unerwünschten Wirkungen, die zweifellos die Lebensqualität der Patientinnen beeinflussen, kann durch lokale Applikation von Feuchtigkeitscremen oder aber durch die vaginale Gabe von Östrogenen begegnet werden. Allerdings  gibt es derzeit nur wenige Daten bezüglich der Gabe lokaler Östrogene bzw. deren Absorption und somit systemischer Wirkung bei Patientinnen unter Therapie mit Aromatasehemmer. In einer Beobachtungsstudie am Royal Marsden in London, UK, wurde der Einfluss eines vaginal verabreichten Östradiols auf den Serumöstradiolspiegel bei Brustkrebspatientinnen unter Aromatasehemmertherapie untersucht. Es konnte gezeigt werden, dass die vaginale Östradiolgabe zum Anstieg des Serumöstradiolspiegels führt, sodass die Autoren vor einer vaginalen Östradiolgabe bei Patientinnen unter Aromatasehemmertherapie warnen. In Österreich wird anstatt des potenten Östradiols üblicherweise ein Östriolpräparat zur lokalen Therapie vaginaler Beschwerden eingesetzt.

In einer eigenen Studie wurde versucht die Frage zu beantworten, ob es durch die vaginale Applikation von Estriol (Ovestin) zu einer Erhöhung der Östrogenspiegel unter Aromatasehemmertherapie kommt. 10 Brustkrebspatientinnen unter Therapie mit Aromatasehemmer wurden in die prospektive Untersuchung eingeschlossen. Bei allen Patientinnen wurde zu Beginn der Studie sowie nach 2 Wochen täglicher Applikation von vaginalem Östriol (Ovestin) nüchtern- Hormonspiegel mittels hochsensitiver Chemolumineszenzassays und Massenspektrometrie bestimmt. Ein Fragebogen bezüglich vaginaler Beschwerden wurde vor und nach der 14 tägigen Therapiephase ausgefüllt.

Bei allen Patientinnen war zu Beginn der Studie – vor Verabreichung des vaginalen Östriols – der nüchtern Serumöstradiol- und Serumöstriolspiegel unter Nachweisgrenze.  Nach 2 Wochen täglicher Applikation vaginalen Östriols blieben die nüchtern Serumöstradiol- und Serumöstriolspiegel unter Nachweisgrenze. Ein Anstieg der Serumöstrogenspiegel durch die Gabe vaginales Östriols bei Brustkrebspatientinnen unter Aromatasehemmertherapie konnte somit nicht beobachtet werden. Bei 80% der Patientinnen führte die Therapie mit vaginalen Estriol zu einer deutlichen Verbesserung vaginaler Beschwerden.

Gemäß dieser Studie ist die Therapie vaginaler Beschwerden von postmenopausalen Brustkrebspatientinnen unter Aromatasehemmertherapie mit vaginalem Östriol möglich und eine Erhöhung des Rezidivrisikos unwahrscheinlich. Da dieser wesentliche Endpunkt aber nicht untersucht wurde und nicht zu 100% ausgeschlossen werden kann muss vor dem unkritischen Einsatz von vaginalem Östriol bei Brustkrebspatientinnen gewarnt werden.

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